Warum Hitzewallungen nur ein Teil der Wechseljahre‑Symptome sind

Liebe Leserin,

bei mir war – und ist – es lange schwierig gewesen zu unterscheiden, was klassische Wechseljahresbeschwerden sind und was noch Nachwirkungen meiner ME/CFS‑Erkrankung. Nachdem meine Fatigue inzwischen weitgehend überwunden ist – ein langer Weg, der sich gelohnt hat, darüber schreibe ich an anderer Stelle – wird langsam sichtbar, was mir diese Menopausen‑Sperenzchen alles beschert haben und noch immer bescheren.

Dass die Wechseljahre tatsächlich Jahre sind – nicht Tage, Wochen oder Monate – habe ich erst jetzt wirklich begriffen. Jetzt, wo der ganze Spuk eigentlich bald vorbei ist und die letzte Periode fast ein Jahr zurückliegt.

Interessant wird es tatsächlich häufig ab etwa dem 40. Lebensjahr. Da bluten wir Ladies oft noch regelmäßig, werden eventuell sogar noch einmal schwanger, alles scheint „normal“. Doch der Schein trügt. Bis man versteht, was eigentlich los ist, warum alle nerven, warum man sich selbst kaum wiedererkennt, steckt man oft schon bis zum Hals in der Perimenopause.

Und niemand bereitet uns Frauen darauf vor. Unsere Mütter nicht. Unsere Freundinnen nicht. Denn wir Frauen der Generation X sind aufgewachsen mit Sätzen wie: „Stell dich nicht so an“ oder „Hauptsache, die Figur stimmt“.

Hier zeigt sich etwas sehr Grundsätzliches:

Frauengesundheit hat in unserer Gesellschaft noch immer keinen festen Platz.

Das ist kein individuelles Versagen, sondern ein strukturelles Problem.

Als Frau mit gesundheitlichen Beschwerden, die über offensichtliche chirurgische Themen hinausgehen, muss man häufig darum kämpfen, ernst genommen zu werden. Das ist nicht nur meine persönliche Erfahrung, sondern auch das, was ich aus unzähligen Gesprächen mit Freundinnen und Kundinnen kenne.

Meine Erschöpfung wurde jahrelang nicht ernst genommen.
Sie wurde zur Kenntnis genommen – ja.
Ein Nicken. Ein kurzer Blick. Ein Eintrag in der Patientenakte.
Das war’s.

Als ich Anfang 20 schwer an Borreliose und EBV erkrankte, kämpfte ich ein halbes Jahr um eine entsprechende Blutuntersuchung. Ein halbes Jahr. Ich war schlank, sportlich, fröhlich, vorlaut, attraktiv – also konnte es ja nicht so schlimm sein. War es aber. Dieses halbe Jahr hat mir am Ende mehrere Krankenhausaufenthalte und fast fünfzehn Jahre Beschwerden eingebracht.

Und diesmal?
Diesmal habe ich über fünf Jahre gebraucht, bis endlich klar war, dass ich mir nicht alles nur einbilde.

Heute Morgen, bei einem Spaziergang in der Sonne, habe ich dieser verlorenen – oder zumindest stark eingeschränkten – Lebenszeit eine Träne nachgeweint. Einfach so. Zwischen zwei Schritten.

Aber das nur als Vorgeschichte. Eigentlich möchte ich über Wechseljahresbeschwerden und Wechseljahre‑Symptome schreiben.


Wechseljahres‑Symptome: Wenn der Körper sich neu sortiert

Interessanterweise scheint es verschiedene „Lager“ von Frauen zu geben:

  • Frauen ohne Beschwerden
  • Frauen mit Beschwerden, die sich aber nicht beschweren
  • Frauen mit Beschwerden, die darunter leiden – und darüber sprechen

Ich gehöre irgendwo in Kategorie zweieinhalb.

Denn bis ich überhaupt verstanden habe, dass dieser hormonelle Umbau Teil meines Problems sein könnte, war meine Periode bereits ausgeblieben.

Ich dachte wirklich:
Irgendwann schwitzt man ein bisschen, dann bleiben die Tage aus – zack – fertig.

So naiv. So ahnungslos. So typisch.

Auch meine Mutter hat mir nie etwas darüber erzählt. Über die Verunsicherung. Die Wut. Das Gefühl, plötzlich in einem Körper zu wohnen, der sich nicht mehr zuverlässig anfühlt. Über das Gefühl, sich unattraktiv, farblos, langweilig zu erleben.

Und genau hier liegt der Kern des Problems.

Wir wissen so wenig über die Wechseljahre, weil uns jahrhundertelang beigebracht wurde, sie nicht wichtig zu finden. Weil die Medizin den männlichen Körper zur Norm erklärt hat – und den weiblichen als Sonderfall. Als kompliziert. Als emotional. Als schwierig.

Was Frauen erleben, wurde lange als Befindlichkeit abgetan. Als Hysterie. Als Stress. Als: „Da müssen Sie jetzt halt durch.“

Die Wechseljahre passen perfekt in dieses Muster.
Nicht akut lebensbedrohlich.
Nicht sichtbar.
Nicht spektakulär.
Also: nicht relevant.

Dass Wechseljahre‑Symptome das Leben von Millionen Frauen massiv beeinflussen – Karrieren, Beziehungen, Selbstbilder und ganze Lebensentwürfe – scheint bis heute zweitrangig.


Die Phasen der Wechseljahre – warum sich nichts linear anfühlt

Was ich lange nicht verstanden habe – und was mir auch niemand erklärt hat – ist, dass es die Wechseljahre nicht als klar umrissenen Zustand gibt.

Kein Startsignal.
Keinen sauberen Übergang.
Kein Finale mit Applaus.

Stattdessen gibt es Phasen. Und Wechseljahresbeschwerden kommen selten sortiert. Sie kommen wie ein Haufen loser Zettel, den der Wind durch dein Leben jagt.

Perimenopause: Hormone fahren Achterbahn, die Periode ist noch da – oder unregelmäßig – oder plötzlich anders. Typische Wechseljahre‑Symptome sind Schlafstörungen, innere Unruhe, Zykluschaos, Stimmungsschwankungen. Häufigster Kommentar: „Dafür sind Sie noch zu jung.“

Menopause: Genau genommen nur ein Zeitpunkt. Die letzte Regelblutung, rückblickend ein Jahr später definiert. Kein Ereignis, das man bewusst erlebt.

Postmenopause: Die Hormone bleiben niedrig, der Körper sortiert sich weiter. Gelenke, Haut, Schlaf, Gewicht, Nervensystem – vieles verändert sich erst jetzt.

Was alle Phasen gemeinsam haben:
Sie überlappen sich. Sie widersprechen sich. Und sie machen es schwer, das eigene Erleben einzuordnen – besonders dann, wenn niemand erklärt, dass genau das normal ist.


Schlaflosigkeit in den Wechseljahren – warum wir nachts wachliegen

Vielleicht sind Hitzewallungen deshalb nur ein kleiner Teil der Wahrheit.
Weil sie sichtbar sind.

Der Rest passiert leise:
Im Kopf.
Im Nervensystem.
Im Gefühl, sich selbst zu verlieren – und sich gleichzeitig neu zusammensetzen zu müssen.

Was mir rückblickend am meisten zu schaffen gemacht hat, ist diese neue Art von Müdigkeit.
Nicht die angenehme „Ich hatte einen langen Tag“-Müdigkeit.
Sondern eine, die erschöpft und gleichzeitig aufgedreht ist.

Nachts liege ich wach. Nicht unruhig – hellwach. Zwei Stunden. Manchmal länger.

Das ist keine schlechte Schlafhygiene.
Das ist Schlaflosigkeit in den Wechseljahren.

Östrogen und Progesteron beeinflussen Temperaturregulation, Melatonin und Nervensystem. Wenn diese Hormone schwanken oder absinken, wird Schlaf fragiler. Das Aufwachen zwischen zwei und vier Uhr morgens ist ein Klassiker der Peri‑ und Postmenopause.


Weitere typische Wechseljahresbeschwerden

  • Gewichtszunahme (ich kann ein Lied davon singen!)
  • Angstzustände
  • Haarausfall
  • Konzentrationsnebel
  • Reizbarkeit ohne Anlass
  • Herzklopfen
  • Gelenkbeschwerden
  • Trockene Haut
  • Ein fremdes Körpergefühl

Das sind keine Einzelprobleme.
Das ist ein Umbau.


Ernährung in den Wechseljahren – warum sie jetzt eine andere Rolle spielt

Mit dem Rückgang der Östrogene verändern sich Stoffwechsel, Darmflora, Entzündungsneigung und Knochenstoffwechsel.

Gerade bei Wechseljahre‑Symptomen wie Schlafstörungen, Erschöpfung und Gewichtszunahme braucht der Körper Stabilität.

Und nein – diese Stabilität kommt nicht aus der Dose.

Was in den letzten Jahren regelrecht explodiert ist, ist die Idee, man könne diesen hormonellen Umbau mit Proteinpulvern, funktionellen Shakes oder hochverarbeiteten „More‑irgendwas“-Produkten lösen. Als würde ein Messlöffel Vanille‑Aroma aus Molkenisolat ein Nervensystem beruhigen oder fehlendes Östrogen ersetzen.

Protein ist wichtig, keine Frage. Aber es ist nur ein kleiner Teil der Wahrheit. Und vor allem: Es ersetzt keine echten Lebensmittel.

Der Körper in den Wechseljahren braucht kein Marketing. Er braucht Information. Und Nährstoffe in ihrer natürlichen Matrix – mit Ballaststoffen, sekundären Pflanzenstoffen, Mineralien und einer Verdauung, die mitdenken darf.

Ultrahochverarbeitete Produkte mögen praktisch sein. Sie sind aber keine Lösung für ein System, das gerade versucht, sich neu zu regulieren.

Ballaststoffe sind dabei zentral, weil sie:

  • den Blutzucker stabilisieren
  • die Darmflora unterstützen
  • entzündungshemmend wirken können
  • lange sättigen

Phytoöstrogene aus Leinsamen oder Hülsenfrüchten können unterstützend wirken – nicht als Wundermittel, sondern eingebettet in ein Gesamtkonzept.


Wechseljahre ernst nehmen – ein feministischer Perspektivwechsel

Die Wechseljahre sind kein Defizit.
Sie sind ein Übergang.

Sie machen uns nicht weniger.
Sie machen uns klarer.

Das ist keine Schwächephase.
Das ist eine Phase der Wahrheit.

Und es ist anstrengend.
Aber wir kriegen das hin! Mit mehr Aufmerksamkeit, mehr Bewusstsein, mehr Kommunikation, mehr Austausch. Mehr WIR.

Alles Liebe
Deine Isa


PS: Ich habe, natürlich, noch etwas aus meiner Expertise angehängt:

Ernährung in den Wechseljahren – ein Beispieltag

Frühstück
Haferflocken (50 g) mit Hafer‑ oder Mandelmilch oder Wasser, Leinsamen, Beeren, Walnüssen

Mittagessen
Linsen‑Gemüse‑Bowl mit Ofengemüse, Salat und Olivenöl‑Zitronen‑Dressing

Snack (optional)
Naturjoghurt mit Apfel oder Birne

Abendessen
Gedünstetes Gemüse mit Quinoa oder Hirse und etwas Tahin

Getränke
Wasser, Kräutertee, Kaffee bevorzugt am Vormittag

Das ist keine Diät.
Das ist Versorgung.

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